Warum geht mir plötzlich alles so nah?

Gerade habe ich mit einer guten Freundin telefoniert. Sie steckt gerade mitten im Gedankenkarussell. Und ehrlich gesagt? Ich auch. Ich komme mittlerweile überhaupt nicht mehr gut auf Unfreundlichkeit klar und lasse Menschen in meinen Kopf einziehen, die da nullkommanichts zu suchen haben. Ist ja schön, wenn man auf Instagram all diese klugen Ratschläge liest.
„Lass los.“
„Nimm es nicht persönlich.“
„Du entscheidest, wer in deinem Kopf wohnt.“
Und ich denke jedes Mal: „Yep. Genau so ist es. Mache ich ab jetzt auch.“

Pfffft …

Kriege ich nicht gebacken.
Mein Kopf sagt: „Die können dich mal kreuzweise.“ Mein Nervensystem sagt: „Pass lieber jede Sekunde auf, ob dir einer was will. Und heute Nacht denken wir sicherheitshalber nochmal zwei Stunden darüber nach.“

Leute … das macht doch keinen Bock!

Warum passiert das?

Die Antwort lautet natürlich wieder mal: Ja, das kann tatsächlich mit den Wechseljahren zusammenhängen.

Mit sinkendem Östrogenspiegel verändert sich nicht nur unser Körper. Auch unser Gehirn bekommt weniger Unterstützung durch Hormone, die Einfluss auf unsere Stimmung, unsere Stressverarbeitung und unsere emotionale Belastbarkeit haben. Östrogen wirkt unter anderem auf die Botenstoffe Serotonin und Dopamin. Gleichzeitig reagiert unser Nervensystem häufig empfindlicher auf Stress.

Viele Frauen beschreiben genau dasselbe: Ein blöder Kommentar beschäftigt sie tagelang. Sie spielen Gespräche immer wieder durch, grübeln nachts darüber oder nehmen Kritik viel persönlicher als früher. Das bedeutet nicht, dass du plötzlich „zu empfindlich“ geworden bist. Es bedeutet nur, dass dein Gehirn und dein Nervensystem gerade unter anderen Bedingungen arbeiten


Was hilft?

Leider gibt es keinen Schalter, den man einfach umlegen kann. Mir hilft inzwischen eine einzige Frage: War das wirklich ein Angriff – oder fühlt es sich gerade nur so an? Allein dieser kleine Moment des Innehaltens schafft oft etwas Abstand. Außerdem reagiere ich nicht mehr sofort. Ich schlafe lieber eine Nacht darüber. Erstaunlich oft denke ich am nächsten Morgen: „Ach komm, so schlimm war das eigentlich gar nicht.“
Und das Wichtigste überhaupt?
Mit anderen Frauen darüber reden.
Denn fast jedes Gespräch endet mit demselben Satz: „Ich dachte, das geht nur mir so.“


Mein Aha-Moment

Früher dachte ich, ich würde einfach immer dünnhäutiger werden. Heute glaube ich etwas anderes. Ich glaube, mein Nervensystem ist einfach schneller im Alarmmodus. Das erklärt plötzlich so vieles. Nicht nur das Grübeln. Sondern auch, warum ich Konflikte manchmal kaum noch abschütteln kann. Allein dieses Wissen hat mich unglaublich entlastet.


Mein Fazit

Nein.
Du wirst nicht plötzlich ein anderer Mensch.
Und du bist auch nicht schwach
Die Wechseljahre verändern nicht nur unseren Körper. Sie verändern manchmal auch die Art, wie wir Gefühle verarbeiten.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, mit uns selbst ein bisschen liebevoller umzugehen.
Denn wir würden unserer besten Freundin niemals sagen:
„Jetzt stell dich mal nicht so an.“

Also sollten wir aufhören, genau das zu uns selbst zu sagen.


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Häufige Fragen

Wird man in den Wechseljahren wirklich sensibler?

Viele Frauen berichten genau das. Hormonelle Veränderungen können beeinflussen, wie unser Gehirn Stress und Emotionen verarbeitet.

Warum nehme ich plötzlich alles persönlich?

Sinkende Östrogenspiegel wirken sich auch auf Botenstoffe im Gehirn aus. Dadurch können Kritik oder Konflikte belastender wirken als früher.

Ist das normal?

Ja. Viele Frauen erleben während der Wechseljahre Phasen, in denen sie emotional verletzlicher sind.

Was kann ich dagegen tun?

Bewegung, ausreichend Schlaf, Stressabbau und offene Gespräche können helfen. Wenn dich die Belastung sehr einschränkt, solltest du ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen.

Wann sollte ich Hilfe suchen?

Wenn Grübeln, Ängste oder depressive Verstimmungen deinen Alltag dauerhaft belasten oder du kaum noch zur Ruhe kommst.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Viele Frauen fühlen sich in den Wechseljahren emotional verletzlicher.
  • Hormonelle Veränderungen beeinflussen auch die Stressverarbeitung im Gehirn.
  • Grübeln und Gedankenkarusselle sind keine Seltenheit.
  • Du bist mit diesen Gefühlen nicht allein.
  • Wenn dich die Belastung dauerhaft einschränkt, hol dir Unterstützung.

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Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen
  • Deutsche Menopause Gesellschaft e. V.
  • The Menopause Society (ehemals North American Menopause Society)

Transparenzhinweis

Die Informationen in diesem Artikel ersetzen keine ärztliche Beratung. Ich teile hier meine persönlichen Erfahrungen und ergänze sie durch sorgfältig recherchierte Informationen aus seriösen medizinischen Quellen. Wenn dich starke Ängste, depressive Verstimmungen oder anhaltende seelische Belastungen begleiten, sprich bitte mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder deiner Frauenärztin bzw. deinem Frauenarzt.


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